Tu BiSchwat Haggada

„Und so Ihr in das Land kommt und irgend einen Baum essbarer Frucht pflanzet, so enthaltet Euch seiner Vorhaut, seiner Frucht; drei Jahre sei sie Euch eine Vorhaut, sie werde nicht gegessen.“(Leviticus 19:23)

Unser Seder, wie jeder Tu-BiSchwat-Seder, besteht aus vier Teilen. Diese Ordnung stammt aus der ersten Tu-BiSchwat-Haggada: „Pri Etz Hadar“ wurde schon im 16. Jahrhundert zelebriert. Die Autoren der ersten Haggada waren Kabbalisten. Sie teilten ihren Seder in vier Welten: Assia (das Handeln), Jetzira (die Gestaltung), Bria (die Schöpfung) und Asilut (die Vornehmheit). Es sind vier unterschiedliche Ebenen, die sich zwischen Natur und G–tt erstrecken.

Wir haben diese „klassische“ Ordnung mit ihren Namen übernommen, weil wir glauben, dass Tu BiSchwat eine wunderbare Gelegenheit ist, über die Schöpfung, die Natur und über Tikkun Olam zu sprechen. Die Kabbalisten waren sehr esoterisch, wir sind eher spielerisch an der Ökologie, an Israel und an der jüdischen Geschichte orientiert. Die kabbalistische Teilung fanden wir aber schön, und daraus entsprangen viele Themen, um die Dein Seder organisiert werden kann.

Vier Gläser Wein – vier Welten:

 Die Teile der Jews Go Green Haggada und der Verlauf des Seders sehen wie folgt aus:

  1. Einführung: die Quellen von Tu BiSchwat (eine längere und eine kurze Fassung)
  2. Das erste Glas Wein, Assia עשייה: Die Aktion, die Welt des Handelns, symbolisiert durch die Erde. Unsere Themen in diesem Teil sind die Pflanzung und die Schmitta (Schabbatjahr).
  3. Das zweite Glas Wein, Jetzira יצירה: Die Welt der Formung und der Gestaltung, symbolisiert durch das Wasser. Wir sprechen über Israel und Wasser, begleitet von der Geschichte über Choni, den Kreismacher.
  4.  Das dritte Glas Wein, Bria בריאה: Die Welt der Schöpfung, symbolisiert durch die Luft. Wir sprechen über die Schönheit der Schöpfung und über den Umweltschutz.
  5. Danach gibt es Zeit für die festliche Mahlzeit Seuda (סעודה).
  6. Das vierte Glas Wein, Asilut אצילות : die Schechina (G-ttes Anwesenheit), symbolisiert durch das Feuer. Unsere Themen sind die Neujahrsvorsätze und Tikkun Olam.

Den vier Haupteilen des Seders entsprechen auch die vier Jahreszeiten: Winter, Frühling, Sommer und Herbst.

Jeder Teil des Seders beinhaltet:

  • eine Mini-Einleitung
  • ein Glas Wein
  • traditionelles Obst
  • optionale Aktivitäten für die Kleinen und Großen: Im Anhang findest Du unseren Aktivitätenplaner, das Kochbuch und die Lieder. Er hilft Dir, den Seder gut zu planen, um am Abend alles perfekt im Griff zu haben! Nur gut vorbereitet kannst Du locker den Abend veranstalten!

Du brauchst Folgendes:

  • Rotwein und Weißwein (Deine Alternative: Nimm einfach roten und weißen Traubensaft). Bereite Dir immer ein wenig mehr Rotwein als Weißwein (mehr roten als weißen Traubensaft) vor.
  • Nüsse und Obst mit einer nicht essbaren Schale: Haselnüsse, Walnüsse, Zitrone (Etrog), Mandeln, vielleicht die Früchte des Johannisbrotbaums
  • Obst mit ungenießbarem Kern: z. B. Avocados, Pflaumen, Äpfel, Birnen
  • Das im Ganzen essbare Obst: Beeren, Blaubeeren
  • Schiwat HaMinim: Granatapfel, Datteln, Oliven, Feigen und Weintrauben und Brot: am besten mit Weizen und Gerste, da diese zu den Schiwat HaMinim gehören; wenn es nicht geht, dann Kuchen (damit ändert sich auch der Segensspruch)
  • Eine Kerze
  • Bunte Zettel, ein Ast, Schere, Faden
  • Petersiliensamen, Pflanzerde und Blumentopf
  • Birkat-Hamazon-Bücher

Seuda:

Denke daran, dass auf den dritten Teil eine festliche Mahlzeit folgt. Sie soll aus sieben Arten zubereitet werden. Dazu brauchst Du Weizen, Gerste, Feigen, Datteln, Oliven. In unserem Kochbuch findest Du ein Paar Inspirationen.

*Schiwat HaMinim – Sieben Arten

"Denn der Ewige, dein G-tt, bringt dich in ein schönes Land: ein Land der Wasserbäche, Quellen und Seen, die in der Ebene und im Gebirge entspringen; ein Land des Weizens und der Gerste, des Weinstockes und des Feigenbaumes und der Granate; ein Land der Ölbeere und des Honigs. Ein Land, darin du nicht kümmerlich Brot essen musst - du wirst an nichts darben darin. Ein Land, dessen Steine Eisen bergen – und aus seinen Gebirgen wirst du Kupfer hauen. Und du wirst essen und satt werden und du sollst segnen den Ewigen, deinen Gott, für das schöne Land, das er dir gegeben." (Dwarim 8:7-10)

Seder

Vier Fragen zum Tu BiSchwat:

  • Was feiern wir heute?
  • Wir feiern das Neujahr der Bäume. Die Mischna spricht über vier Neujahre:

"Der erste Nisan ist Jahresanfang für die Könige und der Feste. Der erste Elul ist Jahresanfang für den Viehzehnten; (...) Der erste Tischri ist Jahresanfang des Kalenderjahres, des Erlassjahres und des Jobeljahres sowie der Pflanzungen der Kräuter. Der erste Schwat ist der Schule Schamai zufolge der Jahresanfang der Bäume; die Schule Hillels sagt, der Fünfzehnte desselben." (Der babylonische Talmud Mischna, Traktat Rosch Haschana, Mischna 1)

  • Warum feiern ausgerechnet wir das Neujahr der Bäume?

Tu Bischwat galt zu den Zeiten des Tempels als Anfang des Steuerjahres. Im alten Israel konnte die Steuer nicht nur mit Geld, sondern auch mit der Ernte gezahlt werden. Es gab auch viele Regeln, die das Pflanzen von Bäumen betrafen. Es gab z. B. ein Verbot, drei Jahre lang die ersten Früchte der Bäume zu essen (Orla). Um das komplizierte System zu vereinfachen, gab es eine Lösung: Für jeden Baum, der mindestens zwei Jahre und einen Monat alt war, galt Tu BiSchwat als der offizielle, dritte Geburtstag. Ab dann durfte man das Obst genießen. Deswegen essen wir unterschiedliche Obstarten, vor allem jene, die auf den Bäumen wachsen.

  • Warum feiern wir Seder mitten im Winter?

Heute feiern wir den Geburtstag der Bäume, aber auch die Wiedergeburt des Landes Israel. Wir feiern ebenso die Schöpfung und die Jahreszeiten. Unser Seder: Er geht zurück auf den Seder, den Isaac Luria in Safed (Tzfat) vor 400 Jahren mit seinen Schülern feierte. Daraus entstand die allererste Tu-BiSchwat-Haggada, die Pri Etz Hadar („Das Obst des Majestätischen Baumes“) hieß. Die Kabbalisten glaubten, dass die Realität aus vier Welten besteht: Assia, Jetzira, Bria und Asilut. Diese Welten bilden einen „Baum des Lebens“. Wir beginnen unseren Seder mit der untersten Welt Assia und bewegen uns nach oben bis zum Asilut: von den Wurzeln des Baums des Lebens bis in die Krone. Wir fangen im Winter an und bewegen uns in Richtung Herbst.

  • Was unterscheidet den Tu-Bischwat-Seder vom Pessach-Seder?

Während des Pessachfestes feiern wie die Freiheit und die Befreiung aus Ägypten und wir essen Matze. Während des Tu BiSchwat feiern wir die Wunder der Natur, die Erschaffung der Welt und der Bäume und wir essen an diesem Tag Früchte.

Assia – Aktion, Erde und Winter:Schmitta

Bereite Dir das Brot und den ersten Obstteller vor, vergesse nicht den Granatapfel und gieße das erste Glas Wein (Weißwein) ein.

Der erste Teil des Seders symbolisiert die Assia, die kabbalistische Welt der Aktion. Für die Kabbalisten war Assia mit der Erde (אדמה) verbunden. Die Erde hat einen besonderen Status im Judentum: Alle sieben Jahre feiern wir Schmitta, ein Schabbatjahr für die Erde. Jetzt trinken wir das erste Glas Wein, wir essen Brot und das erste Obst. Wir schenken uns Weißwein ein: Er symbolisiert den Winter. Weiß sind jetzt aber auch die Mandelbäume, die in Israel zu blühen anfangen.

Das erste Glass Wein/Traubensaft:

Man sagt (nur hier) den Segensspruch:

ברוךאתהה'אלוהינו, מלךהעולם, בוראפריהגפן.‏

Baruch ata ado-nai, elo-henu melech ha-olam, bore pri ha-gafen.

Gepriesen seist Du, Ewiger, unser G-tt; Du regierst die Welt. Du hast die Frucht des Weinstocks geschaffen.

Wir trinken das erste Glas Wein/Traubensaft.

Händewaschen:

Wir waschen uns die Hände, bevor wir Brot essen. Lade alle Teilnehmer zu dem rituellen Händewaschen ein:

Man gießt sich drei Mal Wasser über beide Hände und sagt:

ברוךאתהה'אלוהינו, מלךהעולם, אשרקדשנובמצותיווצונועלנטילתידים.‏

Baruch ata ado-nai, elo-henu melech ha-olam, ascher kidschanu bemizwotaw weziwanu al netilat jadajim.

Gepriesen seist Du, Ewiger, unser G-tt; Du regierst die Welt. Du hast uns durch Deine Gebote geheiligt und uns aufgetragen, uns die Hände zu säubern.

Brot:

Man zeigt das Brot und sagt:

Wir essen heute Brot, das für Juden als „das Essen“ gilt. Damit essen wir auch Weizen und Gerste, die ersten aus sieben Arten (Schiwat HaMinim), die in Israel wachsen.

Rabbi Jehuda sagte: Er [der Baum, von dem Adam der Urmensch gegessen hatte] war Weizen, denn ein Kind versteht nicht eher Vater und Mutter zu sprechen, als bis es den Geschmack des Getreides gekostet hat. (Babylonischer Talmud: Synhedrin 70b)

Man sagt den Segensspruch über das Brot:

ברוךאתהה'א‑לוהינו, מלךהעולם, המוציאלחםמןהארץ.‏

Baruch ata ado-nai elo-henu, melech ha-olam, ha-mozi lechem min ha aretz.

Gepriesen seist du, Ewiger, unser G-tt; Du regierst die Welt. Du lässt die Erde Brot hervorbringen.

Wir essen das Brot.

Das erste Obst:

Wir essen das Obst, das eine ungenießbare Schale hat. Wir essen Walnüsse, Haselnüsse, Kastanien oder Bananen. Die Schale erinnert uns an unsere Stärke und an den Schutz G-ttes. Wir sind im Winter, in dem es auch karg und leblos aussieht, so wie die harten Nüsse, die fast an Steine erinnern. Wir essen heute auch Granatäpfel, die zweite von den Schiwat HaMinim sieben Arten, die uns in Israel versprochen sind. (Deutronomium 8:8) 

Granatapfel:

Wir zeigen auf den Granatapfel und sagen:

Rabbi Meir fand einen Granatapfel. Den Inhalt aß er, die Schale warf er weg. Das lehrt uns, zwischen der Haupt- und der Nebensache zu unterscheiden. (Aus dem Babylonischen Traktat, Traktat Chagiga 15,2)

Der Granatapfel ist mit 613 Samen gefüllt, welche die 613 Mitzvot (Gebote und Verbote) repräsentieren, sodass sich die lebenswichtige Seele mit dem Licht des spirituellen Verstehens füllt. (Meir Leibush, Malbim 1809-1879)

Man sagt den Segensspruch über das Obst, das auf Bäumen wächst:

ברוךאתהה' א‑לוהינו, מלךהעולם, בוראפריהעץ.‏

Baruch ata ado-nai elo-henu melech ha-olam bore pri ha-etz.

Gepriesen seist Du, Ewiger, unser G-tt; Du regierst die Welt. Du hast die Frucht des Baumes geschaffen.

Wir essen das Obst und die Nüsse:

Kreativ:

Schmitta wird nur in Israel begangen, das heißt es gibt für die Diaspora keine Pflicht, z. B. die Schulden zu erlassen oder die Felder ruhen zu lassen. Das gilt nur für Israel. Höre den Vortrag über Schmitta:

Ein Vortrag mit Stopper: Erzähle in drei Minuten über Schmitta.

Denke anschließend darüber nach, was diese alte Tradition heute bedeuten kann. Sollen wir in diesem Jahr alles entspannter angehen lassen? Wie stellst Du Dir Dein eigenes, symbolisches Schabbatjahr vor? Die Gruppe soll in Eigeninitiative gemeinsam spannende Ideen entwickeln!

Jetzira: Kreativität, Frühling und Wasser Eretz Israel und Wasser

Gieße Dir das zweite Glas Wein (halb Weißwein und halb Rotwein) ein und bereite den zweiten Teller mit Obst (mit nichtessbarem Kern) vor. Vergesse nicht Oliven und Datteln.

Der zweite Teil unseres Seders steht für den Frühling. Für Kabbalisten war diese Welt verbunden mit der Kreativität und der Bewegung. Beides wird durch das Wasser (מים) symbolisiert, das so viele unterschiedliche Formen annehmen kann. Wir trinken nicht mehr puren Rotwein (Traubensaft). Wir gießen halb Rotwein und halb Weißwein ein. Dadurch zeigen wir die ersten Farben des Frühlings, die ersten Blumen.

Zweites Glas Wein/Traubensaft

Wir trinken das zweite Glas Wein/Traubensaft: halb Weißwein und halb Rotwein

Zweites Obst

Wir essen jetzt das Obst mit nichtessbarem Kern. Der Kern symbolisiert unsere Lebenskräfte und unser Potenzial. Das spezielle Obst in diesem Teil des Seders sind Oliven und Datteln:

Oliven

Man zeigt Oliven und sagt:

Rabbi Jehosua ben Levi sagte: Die Israeliten werden deshalb mit einem Olivenbaume verglichen, um Dir zu sagen, so wie die Blätter des Olivenbaumes weder im Sommer noch in der Regenzeit abfallen, ebenso gibt es auch für die Israeliten ewig kein Aufhören, weder auf dieser Welt noch in der zukünftigen Welt. (Der Babylonische Talmud, Traktat Menachot 53b)

Datteln

Man zeigt Datteln und sagt:

„Der Gerechte, Palme gleich blüht er, wie die Zeder auf Libanon schießt er empor.“ (Psalm 92:13)

So wie man an der Palme nichts Unbrauchbares findet - denn die Datteln können zum Essen, die Blätter zum Hallel, die Zweige zum Belauben, der Bast zum Stricken, die Fäden zum Sieben, der Stamm zum Überbälken des Hauses verwendet werden. So wird auch in Israel nichts Unbrauchbares gefunden. Es [gibt] unter ihnen Schrift-, Mischna-, Talmudkundige und Haggadisten. (Der Midrasch Bereschit Rabba Par. XLI, Cap. XII, 17.)

Man sagt den Segensspruch

ברוךאתהה' א‑לוהינו, מלךהעולם, בוראפריהעץ.‏

Baruch ata ado-nai elo-henu melech ha-olam bore pri ha-etz.

Gepriesen seist Du, Ewiger, unser G-tt; Du regierst die Welt. Du hast die Frucht des Baumes geschaffen.

 Wir essen das Obst.

Kreativ:

Ein Vortrag mit der Stoppuhr: Erzähle in drei Minuten über Wasser und Natur in Israel.

Tanzschritt Maim Maim (Wasser, Wasser)

Maim heißt ein typischer Schritt im israelischen Tanz:

Du gehst nach rechts oder nach links. Diese Beschreibung ist für das linke Bein (für das rechte Bein ist alles umgedreht). Es ist sehr simpel!

  1. Kreuze Deinen rechten Fuß vor dem linken Fuß.
  2. Verlagere Dein Gewicht auf den rechten Fuß und bewege Deinen linken Fuß weg von der linken Seite.
  3. Kreuze Dein rechtes Bein hinter dem linken Bein.
  4. Nochmal Deinen linken Fuß weg von der linken Seite bewegen.
  5. Dabei kannst Du das Lied “Mayim Mayim“ anhören oder singen

Tipp: Die Musik findest Du leicht im Internet, suche nach “Maim, Maim” oder “Mayim, Mayim”)

Bria: Schöpfung, Sommer, Wind,Mensch und die Erde, Respekt vor der Natur

Gieße Dir das dritte Glas Wein (⅓ Weißwein und ⅔ Rotwein) ein und bereite den dritten Teller mit dem ganzen essbaren Obst vor.

Bria bedeutet „die Schöpfung“. Bria steht für die Welt des Wissens. Das Element dieser Ebene ist der Wind, Ruach (רוח), der auch „Atem“, aber vor allem „Geist“ bedeutet. Wir trinken ein Glas Wein, das nur ein Drittel Weißwein und zwei Drittel Rotwein beinhaltet, und denken dabei auch an den Sommer: Der Sommer erinnert uns an das heiße Klima, an den Wind und die Wärme. In diesem Teil denken wir an die Schöpfung und an die Natur - die Schöpfung G-ttes, die uns umgibt, die uns ernährt - und sind am Ende des Kreises angekommen.

Drittes Glas Wein/Traubensaft

Wir trinken das dritte Glas Wein: ein Drittel Weißwein und zwei Drittel Rotwein

Das dritte Obst

Wir essen vom letzten Obst, es symbolisiert „das Ganze“: Es ist gleich, innen und außen. Es symbolisiert die Verbindung zwischen der inneren und der äußeren Welt, zwischen der Natur und uns. Deswegen essen wir das ganz essbare Obst: Beeren, Himbeeren, Erdbeeren. Aus den sieben Arten, die uns heute Abend begleiten, essen wir zuletzt, die Feigen und die Weintrauben:

Feigen

Man zeigt die Feigen und sagt:

Einst kam Tami ben Jehezqel nach Bnei Brak und sah Ziegen unter Feigenbäumen weiden; von den Feigen tropfte Honig und Milch von jenen, sodass sie sich miteinander vermengten. Da sprach er: Das ist das Land, wo Milch und Honig fließt. (Der Babylonische Talmud, Traktat Kethuboth 111b)

Warum wird die Thora mit dem Feigenbaum und nicht mit anderen Bäumen wie dem Olivenbaum, Weinstock oder Dattelbaum verglichen? Weil die Früchte dieser Bäume zur gleichen Zeit auf einmal gesammelt werden, die Früchte des Feigenbaums aber nach und nach. So verhält es sich auch mit der Tora: Heute lernt man ein wenig und morgen mehr, weil sie sich doch nicht in einem Jahre und nicht in zwei Jahren erlernen lässt. (Midrasch Bereschit Bamidbar Rabba, Parascha XII, Cap. VII)

Trauben

Wir zeigen auf die Rosinen oder Trauben.

Israel gleicht einem Weinstocke; die Stiele sind die Bürger, die Kämme sind die Schriftgelehrten, die Blätter sind die Leute aus dem gemeinen Volke, die Ranken sind die Unwissenden in Israel. Darauf deutet das, was sie von dort sandten: Mögen die Trauben für die Blätter beten, denn ohne die Blätter würden die Trauben nicht bestehen. (Der Babylonische Talmud, Traktat Hulin 92a)

Man sagt den Segensspruch:

ברוךאתהה' א‑לוהינו, מלךהעולם, בוראפריהעץ.‏

Baruch ata ado-nai elo-henu melech ha-olam bore pri ha-etz

Gepriesen seist Du, Ewiger, unser G-tt; Du regierst die Welt. Du hast die Frucht des Baumes geschaffen.

Man isst das Obst.

Kreativer Seder

Tu-BiSchwat-Baum: Du hast von Schmitta gehört und jetzt von Tikkun Olam. Warum möchtest Du dieses Jahr auf die leichte Schulter nehmen, weshalb machst Du mehr Tikkun Olam? Für Dich selbst, für Deine Familie und für die Welt? Schreibe Deine Pläne und Wünsche auf und hänge sie an den Tu-BiSchwat-Baum. Wenn Du zu Pessach in die Gemeinde kommst, kannst Du Dir das Geschriebene anschauen und sehen ob Du Deinen Plänen näher kommst.

● Du brauchst Papier, Schere, Stifte, Fäden, Zettel und einen Ast, auf dem die kleinen Zettel aufgehängt werden können.

● Jeder schreibt einen Vorsatz für den Rest des Baumjahres.

Seuda

סעודה

Die festliche Mahlzeit

Wir nehmen jetzt eine festliche Mahlzeit zu uns, was eine Pflicht bei jedem jüdischen Feiertag ist.

Birkat Hamason

Nach dem Essen sagen wir „Birkat Hamason“. Anschließend leeren wir das letzte Glas, nach dem nicht mehr gegessen wird.

Asilut: Die Welt der Schechina, Feuer, Herbst

Bereite Dir ein Glas Rotwein mit einem Tropfen Weißwein vor.

Wir trinken das letzte Glas Wein. Der vierte Teil heißt Asilut, er symbolisiert den Herbst und auch die Schechina, den puren Geist, oder die g-ttliche Präsenz. Ein Symbol der vierten und der höchsten Welt ist Feuer. Asilut war die höchste Welt im kabbalistischen System. Herbst ist auch die letzte der vier Jahreszeiten. Damit schließen wir einen Kreis. Es ist eine Zeit der intensiven Vorbereitung für den Winter. Es ist die Zeit, in der die meisten Bäume gepflanzt werden.

Wir trinken Rotwein mit einem Tropfen Weißwein. Das symbolisiert die prachtvollen Farben des Herbsts. Und das Feuer ist gleichzeitig gut und schlecht, was bedeutet, dass es das Leben unterstützen, aber auch zerstören kann. Deswegen sollen wir überlegen, wie wir unser Potenzial nutzen.

Das vierte Glas Wein/Traubensaft:

Wir trinken ein Glas Rotwein mit einem Tropfen Weißwein/Traubensaft.

Um an die vierte Welt und das damit verbundene Element zu erinnern, sprechen wir einen kurzen Segen über einer Kerze.

Kerze:

Nimm die Kerze und sage zusammen mit den anderen Teilnehmern den Segensspruch:

נברךאתמקורהחייםשבוראמאוריהאש.

Neva-rech et ma-kor ha’chaim she-borei mo-rei ha’aish.

Gesegnet sei die Quelle des Lebens, die das Licht des Feuers schafft.

Halte die Hände über dem Feuer. Versuche die Hände erst weit von der Kerze zu halten und sie dann vorsichtig der Kerze zu nähern: Das Licht verschafft uns Blick und wärmt uns, wenn wir ihm nicht zu nah kommen. Auch wir Menschen haben unterschiedliches Potenzial, unsere Handlungen haben manchmal gute und manchmal schlechte Auswirkungen. Denke daran, im nächsten Jahr so viel wie möglich für Tikkun Olam zu machen.

Kreativer Seder:

Bereite die Petersiliensamen, Pflanzerde und Töpfe vor und pflanze die Samen: In zwei Monaten kommt Pessach!

Warum sind uns die Bäume wichtig?

Juden brachten schon immer, nämlich seit der Zeit der Tempel, den Bäumen viel Respekt und Wertschätzung entgegen: Es gab besondere Rechte, die Bäume hatten, wie das Verbot des Genießens der ersten Früchte des Baumes während der ersten drei Jahre. Oder Baar Taschchit, das Verbot des Absägens eines Fruchtbaumes während des Krieges (Deuteronomium 20:19). Es gibt auch den Brauch, einen Baum zur Geburt eines Kindes anzupflanzen, um diesen dann später für die Chupa zu benutzen: eine Zeder für ein Mädchen und eine Zypresse für einen Jungen. Um daran zu erinnern, pflanzen wir heute etwas viel Kleineres: Petersilie.

Choni und Johannisbrotbaum

R. Johanansagte: Eines Tages befand sich Choni der Kreiszeichner auf dem Wege und sah einen Mann einen Johannisbrotbaum pflanzen. Da fragte er ihn: Nach wieviel Jahren trägt er? Jener erwiderte: Nach siebzig Jahren. Dieser fragte weiter: Bist du überzeugt, daß du noch siebzig Jahre leben wirst? Jener erwiderte: Ich habe Johannisbrotbäume auf der Welt vorgefunden; wie meine Vorfahren für mich pflanzten, ebenso will ich für meine Nachkommen pflanzen. (Der babylonische Talmud, Traktad Taanith 23a)

Quellentexte & Links

  • Der babylonische Talmud (1980). 3. Aufl., Nachdr. d. 2. Neu übertragen durch Lazarus Goldschmidt. Königstein/Ts: Jüdischer Verlag.
  • Stemberger, Günter (1982): Der Talmud. Einführung, Texte, Erläuterungen. München: C. Beck.
  •  Wünsche, August (Hg.) (1880-85): Bibliotheca Rabbinica. Eine Sammlung alter Midraschim. Neue Ausgabe. Leipzig: Otto Schulze. Online verfügbar unter http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/titleinfo/5019362, zuletzt geprüft am 12.11.14.
  •  Zunz, Leopold (1995): Tora Neviim Ketuvim. DIe vierunszwanzing Bücher der Heligen Schrift. Basel: Goldschmidt.

Tu BiSchwat Haggadot Literatur, die wir als Inspiration verwendet haben:

  • Derovan, Jay (2001): Tu B'Shvat Seder. Online verfügbar unter http://www.lookstein.org/resources/seder_derovan.pdf.
  • Tu Bi Schwat Seder kurz. Online verfügbar unter http://www.ordonline.de/wp-content/uploads/2012/09/Tu-Bischwat-Heft-kurz-ORD.pdf, zuletzt geprüft am 11.12.2014.
  • Infeld, Daniel; Savage, Nigel (2013). Tu B'Schwat Haggadah. Hazon Seder and Sourcebook. Online verfügbar unter http://www.hazon.org/wp-content/uploads/2012/08/2013-Tu-BShvat-Haggadah.pdf, zuletzt geprüft am 11.12.2014.
  • Jüdischer Nationalfonds e.V. Keren Kayemeth LeIsrel (JNF-KKL): Seder Tu Bischwat. Online verfügbar unter http://www.zwst-hadracha.de/cms/documents/11391/de_DE/Seder%20Tu%20Bischwat.pdf, zuletzt geprüft am 11.12.2014.
  • Orthodoxe Rabbiner Konferenz (2013): Tu Bi Schwat Seder. Online verfügbar unter http://www.ordonline.de/wp-content/uploads/2012/09/Tu-Bischwat-Seder-HEft-20131.pdf, zuletzt geprüft am 11.12.2014.
  • Smolianitski, Alexander (2010): Tu BiSchwat Haggada. Online verfügbar unter http://zusya.blogs.com/files/haggada-tu-bischwat-1.pdf, zuletzt geprüft am 11.12.2014.
  • The Open Siddur Project: The Pri Eth Jadar: Fruit of the Majestic Tree seter for Tu Bi Shvat by Rabbi Natan Binyamin Ghazzati (…) translated by Reb Miles Krassen. Online verfügbar unter http://opensiddur.org/tefillot/kavanot/pri-etz-hadar/, zuletzt geprüft am 11.12.2014.
  • Wolodin, Nina (2006): Branching Out: Your Tu B'Shevat Haggadah. Online verfügbar unter http://support.jnf.org/site/DocServer/BranchingOut.pdf?docID=921, zuletzt geprüft am 11.12.2014.

Hilfreiche Links

Für die Jugend:

Hadracha (ZWST) 
www.zwst-hadracha.de/cms/

HaGalil
hagalil.com/judentum/feiertage/baeume/index.htm

Für die Kinder und Eltern: Jeled
jeled.net/frameset.do?lang=de&country=CH&t=1415799815807

Für die Umweltbewussten:

Hazon (English)
hazon.org/educational-resources/holidays/tu-bishvat/

Canfei Nesharim
canfeinesharim.org

Jewcology
jewcology.org/resources/

Teva Ivri
www.tevaivri.org.il/

Lieder

Hebrew Songs (Transliteration und eng. Übersetzung)
http://www.hebrewsongs.com/
Unsere Playlist mit Tu BiSchwat Lieder:
http://goo.gl/1KBq2C