Beschalach

Parascha der Woche

Beschalach

Schemot 13:17 – 17:16

Die Parascha in Kürze:

Die Hebräer verlassen Ägypten. G-tt macht das Herze des Pharaos hart, und der Pharao ändert die vorherige Entscheidung. Er möchte sie zwingen, nach Ägypten zurückzukehren. Die Situation wird dramatisch: Die Hebräer stehen vor dem Roten Meer und haben die Armee des Pharaos im Rücken. Gegen Moses erheben sich viele Stimmen, einige wollen lieber zurück in die Sklaverei als zu ertrinken. G-tt sagt zu Moses, er solle den Stab über das Meer halten, und die Gewässer werden sich teilen. So können die Kinder Israels das Meer überqueren. Die ägyptische Armee verfolgt die Juden, aber das Wasser schließt sich über der ägyptischen Armee. Die Juden sind auf der anderen Seite des Roten Meeres, und Moses singt ein Dankeslied. Danach singt auch Miriam, seine Schwester ein Danklied.

Anschließend müssen die Hebräer die Wüste durchqueren, um nach Kanaan zurückzukehren, wofür sie 40 Jahre brauchen, dies aber wissen sie noch nicht. In der Wüste warten Hungersnot und Durst auf sie. Darüber  beklagen sie sich bei Aaron und Moses sehr; manche wollen wieder zurück nach Ägypten.

Daraufhin geschieht ein Wunder: Moses schmeißt einen Stück Holz ins Wasser und das bittere Wasser von Mara wird genießbar. Die Israeliten sind immer noch nicht zufrieden. Jeden Morgen fällt vor Sonnenaufgang Manna vom Himmel; am Abend landen Wachteln im Lager der Hebräer. Das alles waren Wunder G-ttes. Es gibt ein Gebot: Weil der Schabbat der Ruhetag G-ttes ist, wird es kein Manna geben. Daher sollen alle am Freitag doppelt so viel Manna sammeln. Manche Israeliten halten sich nicht daran und finden dann am Schabbat kein Essen. Aaron hebt ein bisschen Manna für die künftigen Generationen auf. Diese Nahrung wird von den Israeliten vierzig Jahre lang gegessen.

Der Konflikt zwischen Moses und seinem Volk ist in dieser Parascha oft ein Thema. Sein Verhältnis zu den Hebräern ist nicht einfach. Als die Hebräer in der Wüste Sin ankommen, leiden sie schon wieder Durst. Die Stimmung ist sehr angespannt. Der verzweifelte Moses wendet sich wieder an G-tt. Diesmal soll der Prophet den Ältesten mitnehmen und zu einem Felsen gehen, dort wird G-tt selbst auf ihn warten. Er muss den Fels mit seinem Stock schlagen, darauf wird aus dem Fels eine Quelle entspringen. Der Name Massa und Meriwa (so wurde der Fels genannt) erinnert an den Konflikt.

Es kommt  zum ersten Überfall. Die Juden werden von Amaleks Armee attackiert. Joschuas Armee, gestärkt durch Moses Gebet, schlägt sie. Daraufhin wird der erste Altar gebaut.

Ökodetail:

Die Parascha Beschalach ist eine Kulmination der langen Zeit der Sklaverei. Es passiert das größte Wunder im Leben des Moses und seiner Generation, die Teilung des Roten Meeres. Bis heute überlegen die Wissenschaftler, woher diese Geschichte stammen mag. Dafür gibt es keine historische Bestätigung, und selbst über die hebräischen Sklaven und Moses schweigen die Hieroglyphen.

Wasser und Holz: Beschalach ist die wichtigste Geschichte über Wasser in der Tora. Zuerst teilt sich das Meer, danach sind die Flüchtlinge aus Ägypten durstig.  Sie kommen in Mara an, wo das Wunder der Verwandlung des Wassers passiert.

Wasser wird in der Tora nicht nur an dieser Stelle so „prominent“. Wie Rabbiner Simenowitz in seinem Artikel „When the Wood Meets the Water“ sagte: „ Die Gewässer der Parascha Beschalach fließen aus vielen älteren Quellen.“ Wir finden im Buch Bereschit viele Geschichten, die das Thema Wasser betreffen: Die Sintflut-Geschichte, die Geschichte der Quellen von Abraham und Jizchak, die Erzählung von Elieser, der Rivka an einer Wasserquelle traf, und erkannte dass sie zur Frau seines Herrn Jizchak wird. Ja’akow hat seine künftige Frau Rachel am einer Wasserquelle getroffen. Auch die Reise Josefs fängt mit einer leeren Wassergrube an, in die er von seinen Brüdern geworfen wird. danach kommt er nach Ägypten, wo er die Träume des Pharaos interpretiert. Der Pharao träumt von dem Fluss und den Kühen, die aus dem Wasser kommen (Bereschit 41: 1-18). 

In der Parascha Beschalach passieren drei Wunder, die das Wasser betreffen: Die Teilung des Wasser, der Wunder in Mara und der Wunder von Massa und Meriwa. In Mara, wo das Wasser bitter, giftig ist, sagt G-tt zu Moses, er solle ein Holzstück ins Wasser werfen, und dann werde das Wasser gut: „Und er schrie zum Ewigen. Da wies ihm der Ewige ein Holz, das warf er ins Wasser, und das Wasser wurde süß. (Wajorechu Haschem Etz)“ (Schemot 15:25). Midrasch-Autoren stritten sich darüber, was für ein Holz es genau war. Rabbiner Jehoschua dachte, dies war eine Weide, Rabbi Nathan dachte, es war ein bitterer Efeu. Rabbi Elasar HaModai dachte an einem Olivenbaum, Rabbiner Jehoschua ben Korcha an einen Diestel-Busch. Alle waren einig, dass es ein bitteres Holz sein müsse. Denn mit Bitterem süßt man das Bittere. (Midrasch Tanchuma, Schemot 24).

Vergessen wir hier nicht die Verbindung zwischen dem Bäum und der Tora. Die Tora ist der Baum des Lebens: Ez Chaim wird sie manchmal direkt genannt.

Auch heute sind viele weltweit von gleichen Herausforderungen betroffen: Unsere Ressourcen schwinden und das Wasser wird in vielen Ländern knapper. Weniger als 3 Prozent aller Wasserressourcen sind Süßwasserressourcen. Diese werden ständig zerstört, Wasser wird für viele Prozesse verbraucht: Kleiderproduktion, Elektronik, auch die industrielle Tierzucht ist wasserintensiv. Wir produzieren massiv bitteres, totes Wasser. Insbesondere in den armen Ländern, in denen Korruption herrscht, ist es sehr einfach die Umwelt „kostenlos“ zu zerstören. Das ist auch eine Ursache dessen, warum unsere Waren so billig sind. Die gute Nachricht ist, dass viele Nichtregierungsorganisationen sich damit beschäftigen, die Öffentlichkeit über diese Praktiken zu informieren. Greenpeace hat voriges Jahr in der Kampagne zu sauberer Kleidung viel Druck auf die Textilindustrie ausgeübt. Wir haben den Wasser-Fußabdruck, der misst, wie viel verbrauchtes Wasser effektiv in jedem Produkt steckt. Die größten Wasser - Verschmutzter aber bleiben oft dadurch verdeckt, dass sich die Menschen für solche Themen wie Bergbau und Fracking wenig interessieren. Die Nachrichten über kontinuierliche Umweltvergiftung sind selten „News“. Wenn dann aber eine Tragödie passiert, wie kürzlich in Brasilien, wo ein Eisenbergbau den ganzen Fluss vergiftete. Auch ein berühmtes Foto der Stadt Rio Tietê in der Nähe von Sao Paulo zeigt uns, was die Industrie macht, wenn die Zivilgesellschaft zu schwach ist „nein“ zu sagen.

Die einzige Hoffnung liegt darin die Industrie davon zu überzeugen, dass sie nach und nach konsequent ihre Praktiken weltweit ändert: Wer zerstört, soll auch wiederaufbauen. So ändern manchmal auch die großen Konzerne aufgrund der Proteste ihre Politik. Genau wie bei dem Wunder von Mara: Mit Bitterem süßt man das Bittere. Auch wenn wir Geld für faire, ökologisch gerechte oder koschere Produkte investieren, kann es uns an der Kasse ein bisschen wehtun. Die Folgen des bewussten Konsums sind für die Erde gut und „süß“.

Auch zu viel Wasser als eine Folge schlechten Verhaltens spielt eine Rolle. Heute sind viele Flutkatastrophen die Folgen fehlenden Umweltschutzes.

Aktion:

  • Sieh, ob es positive Beispiele große Firmen gibt, die tatsächlich umweltfreundlicher geworden sind.

  • Sei ein bewusster Konsument und unterstütze diejenigen Produzenten, die sich tatsächlich ändern.

  • Feiere Tu BiSchwat!

Quellen:

Dieser Artikel wurde von Rabbiner Shmuel Simenowitzs Kommentar zur Parascha Beschalach: „When the Wood meets the Water“ inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.